Periradikuläre Therapie (PRT) – LWS & HWS in Regensburg

Inhaltsverzeichnis

Einordnung, Indikation und Ablauf

Kurzfassung: Bei radikulären Schmerzen (Reizung einer Nervenwurzel) – z. B. verursacht durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Verengung des Nervenaustritts durch Arthrose der kleinen Wirbelgelenke – kann eine gezielte periradikuläre Injektion (periradikuläre Therapie, PRT) Schmerzen nehmen und die Belastbarkeit verbessern. Diese Seite erklärt wann eine PRT sinnvoll ist, wie sie abläuft und welche Schritte davor zweckmäßig und notwendig sind.

Für wen dieses Angebot geeignet ist

  • Bein-/Arm-Schmerz entlang eines Nervenversorgungsgebiets (Dermatom, z.B. L5/S1 oder C6/C7), ggf. mit Kribbeln/Taubheit.
  • Provokation bei Husten/Niesen/Pressen (lumbal) oder Kopf- und Nackenbewegungen (zervikal).
  • Vorbehandlung bereits erfolgt (Schmerzmittel, Physiotherapie), aber unzureichender Effekt.

Radikulärer Schmerz – Abgrenzung

  • Typisch radikulär: ausstrahlender Schmerz unterhalb des Knies (LWS) bzw. in Arm/Hand (HWS), dermatombezogen; evtl. Sensibilitätsstörung, Reflexabschwächung, Kraftminderung.
  • Nicht primär radikulär: örtlicher Kreuz-/Nackenschmerz ohne Dermatombezug. (Eher passend zu Facettengelenk, Iliosakralgelenk (ISG) oder muskulären Beschwerden)
  • Schwierig ist die Abgrenzung zum pseudo-radikulären Muster (fehlender oder unstimmiger Dermatombezug)

Sinnvolle Schritte vor einer PRT

  • Konservative Maßnahmen (2–6 Wochen, je nach Schwere): Dosierte Belastung, Analgetika/NSAR (zeitlich begrenzt), zielgerichtete Physiotherapie.
  • Bildgebung: Bei klar radikulärer Klinik und Therapieversagen befürworten Leitlinien eine gezielte Bildgebung (MRT) zur Klärung von Höhen und Lokalisation sowie der exakten Ursachenfindung (z.B. Bandscheibenvorfall).
  • Eingehende Indikationsprüfung: Nutzen/Risiken der PRT vs. Fortführung konservativ/andere Optionen abhängig der Schmerzursache (z. B. Facettengelenksinfiltration).

Indikation zur PRT (LWS/HWS)

Eine PRT ist zu erwägen, wenn

  1. Klinik/Befund passend zu einer radikulären Ursache sind,
  2. konservative Therapie unzureichend wirkt und
  3. Alltag/Funktion relevant oder fortgesetzt eingeschränkt sind,
  4. Kein Befund vorliegt, der einer sofortigen Operation oder anderen Behandlung bedarf.

Ziel: Schmerzlinderung und Funktionsgewinn, um Training/Alltag wieder planbar zu machen; ggf. Operationsindikationen zeitlich zu überbrücken oder zu vermeiden.

Durchführung in unserer Praxis

Verfahren: wir arbeiten ultraschallgestützt dort, wo die anatomischen Fenster dies sicher zulassen (insb. zervikal, lumbal, perineurale/foraminale Zugänge). Bei selteneren Konstellationen, in denen CT die höhere Sicherheit/Genauigkeit bietet (z. B. bestimmte HWS/LWS-Segmente), erfolgt der Eingriff im CT – wir organisieren das für Sie. Dies kann z.B. bei fortgeschrittenen Verknöcherungen erforderlich sein.

Ablauf:

  1. Ersttermin/Planung: Ausführliche Anamnese und eingehende klinische Untersuchung, ggf. Sichtung der Vorbefunde; ggf. ergänzende Sonografie/MRT/CT; gemeinsame Entscheidung für oder gegen PRT.
  2. Injektion (steril, Ultraschall-gesteuert): Feinnadel-Positionierung unmittelbar an der betroffenen Nervenwurzel; Injektion Lokalanästhetikum + je nach Indikation Kortikoid.
  3. Beobachtung: kurzer Verbleib; Anleitung für 48–72 h (Belastung, Kühlung/Wärme, Warnzeichen, Schmerzprotokoll).
  4. Dokumentation: Befund/Verlaufsplan; Arztbrief binnen 24 h an Zuweiser (auf Wunsch).

Wieviele Behandlungen sind erforderlich?

Radikuläre Schmerzen zeigen häufig ein Zeit-/Dosis-Response-Muster. In den meisten Fällen ist eine wiederholte Behandlung sinnvoll. Das hilft,

  • den Soforteffekt (Lokalanästhetikum) vom verzögerten Therapieeffekt (Kortikoid + Belastungsaufbau) zu trennen,
  • Entzündliche Weichteilschwellung über längere Zeit abklingen zu lassen,
  • den Übergang in die eigenständige Stabilisation zu sichern.
    Der klinische Gesamteindruck entscheidet; ein Erfolg ist nicht garantiert und jede Behandlung wird individuell geplant.

Risiken und Nebenwirkungen

  • Häufig: kurze Schmerzverstärkung, kleines Hämatom, Missempfindungen.
  • Selten: Infektion, relevante Blutung, anhaltende Nervenreizung, allergische Reaktion.
  • Spezifisch zervikal: aufgrund der Nähe zu Gefäßen/Nerven gelten erhöhte Sicherheitsanforderungen; Indikation und Zugang werden besonders zurückhaltend gewählt; der Ultraschall ermöglicht es, insbesondere Nerven und Gefäße genau sichtbar zu machen 
  • Insbesondere jüngere und sehr schlanke Patienten können nach Injektionen an der HWS vorübergehend Schwindel und Kreislaufbeschwerden erleiden.
  • Vor jeder Maßnahme besprechen wir Nutzen/Risiken ausführlich, eine schriftliche Einwilligung ist Voraussetzung. 

Nach der PRT: Verhaltensempfehlungen

  • 48–72 h dosiert belasten (beschwerde-adaptiert), keine „Schonhaltung“.
  • Kühlen/Wärmen nach Verträglichkeit; schwere Hebe-/Rotationslasten zunächst meiden.
  • Warnzeichen (Fieber, starke Rötung/Überwärmung, progrediente neurologische Ausfälle) bitte umgehend melden.
  • Da ein örtliches Betäubungsmittel auch vorübergehende Nervenausfälle verursachen kann dürfen am Tag des Eingriffs keine Maschinen bedient oder selbst Auto gefahren werden. Gerne rufen wir Ihnen ein Taxi nach der Untersuchung, wenn Sie keine Begleitperson dabei haben! 

Preise & GOÄ-Hinweise (Transparenz)

Die Abrechnung erfolgt nach GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte). Die Gesamtkosten variieren mit Körperregion, Komplexität und tatsächlich verabreichter Medikation und werden vorab besprochen. Richtwerte (Selbstzahler/PKV, ohne Gewähr):

  • Ersttermin inkl. Planung (mit Ultraschall, ohne MRT): ca. 250 €
  • PRT lumbal (Ultraschall-gestützt): ca. 350 € je Sitzung
  • PRT zervikal (Ultraschall-gestützt): ca. 450  je Sitzung
  • Hinweis: Klären Sie bitte vor dem ersten Termin die Kostenerstattung mit Ihrer Krankenversicherung ab. Bitte beachten Sie, dass bei Nichterscheinen oder Absage des Termins weniger als 24h zuvor eine Ausfallgebühr i.H.v. 150€ geltend gemacht wird.

Für Zuweiserinnen und Zuweiser

  • Indikation: klinisch und bildgebend plausibler radikulärer Schmerz (LWS/HWS), konservativ ohne ausreichende Therapieansprache.
  • Leistung: bildgesteuerte PRT (US-geführt, CT-geführt), strukturierter Belastungsplan, Arztbrief binnen 24 h.

Häufige Fragen (Auszug)

Brauche ich zwingend ein MRT vor der PRT?
Bei klar radikulärer Klinik und geplanter PRT ist ein aktuelles MRT erforderlich. Sie können dies mitbringen oder wir vereinbaren die Durchführung unmittelbar vor dem ersten Termin an unseren Geräten.

Hilft eine einzige Sitzung?
Eine erste Besserung ist in den meisten Fällen sofort zu verzeichnen, in der Regel sind 2 oder mehr Injektionen erforderlich. Wir bewerten den Verlauf und passen die Strategie individuell an.

Ist PRT an der HWS riskanter?
Der Anspruch an Sicherheit ist höher, da wichtige Nerven und Gefäße am Hals sehr dicht nebeneinander liegen; Zugangswege und Indikation werden besonders sorgfältig gewählt. Im Ultraschall sind diese kritischen Strukturen am besten zu erkennen. Nur bei bestimmten Konstellationen nutzen wir das CT.

Welche Alternative zur PRT gibt es?
Weiterführung der konservativen Behandlung, Facetteninfiltration (bei nicht-radikulärer Genese), translaminare epidurale Injektionen, in ausgewählten Fällen operative Optionen – abhängig von Ursache, Befund und Zielsetzung.

Rechtliche Hinweise

Diese Informationen ersetzen keine persönliche Untersuchung/Behandlung.

Weitere Beiträge

Infiltration bei ISG-Schmerzen

Indikation, differenzierte Einordnung und Infiltration  Kurzfassung: Das Iliosakralgelenk (ISG) kann Rückenschmerz im unteren…

Facettengelenksyndrom

Einordnung, Indikation und Facetteninfiltration Kurzfassung: Abnutzungs-/Reizzustände der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) können tiefe lumbale oder…

Periradikuläre Therapie (PRT) – LWS & HWS in Regensburg

Einordnung, Indikation und Ablauf Kurzfassung: Bei radikulären Schmerzen (Reizung einer Nervenwurzel) –…

Facettengelenksyndrom: Die unterschätzte Schmerzquelle in Ihrem Rücken – warum MRT-Befunde täuschen können

Der Schmerz kommt schleichend. Erst nur beim Aufstehen nach längem Sitzen. Dann…