Der Schmerz kommt schleichend. Erst nur beim Aufstehen nach längem Sitzen. Dann beim morgendlichen Anziehen der Socken. Und irgendwann ist er da – dieser dumpfe, bohrende Schmerz im unteren Rücken, der Sie nicht mehr loslässt.
Sie waren beim Orthopäden. MRT gemacht. Befund: „Altersentsprechende degenerative Veränderungen.“ Klingt harmlos. Aber warum tut es dann so weh?
Möglicherweise leiden Sie am Facettengelenksyndrom – einer der häufigsten, aber am wenigsten verstandenen Ursachen chronischer Rückenschmerzen. Bei jedem dritten bis vierten Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen stecken die kleinen Wirbelgelenke dahinter.[^1] Und doch wird die Diagnose oft übersehen.
Die verborgene Epidemie
Die Zahlen sind alarmierend: Von 100 Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen haben 15 bis 45 die Facettengelenke als Hauptschmerzquelle.[^1][^2] In der Halswirbelsäule ist es sogar jeder Zweite bis Dritte.[^3]
Eine Studie mit 500 Schmerzpatienten zeigte:[^4]
- 55 Prozent der Nackenschmerzen sind facettogen
- 42 Prozent der Brustwirbelsäulenschmerzen
- 31 Prozent der Kreuzschmerzen
Besonders tückisch: Bei älteren Menschen über 60 Jahren zeigen 89 Prozent Arthrose-Zeichen in den Facettengelenken.[^5] Aber nicht alle haben Schmerzen. Die Krux: Bildgebung allein verrät nicht, ob ein Gelenk wehtut oder nicht.
💡 MERKSATZ
Das Facettengelenksyndrom ist keine Einbildung und keine „normale Abnutzung“. Es ist eine behandelbare Schmerzerkrankung – aber die Diagnose erfordert mehr als nur ein MRT.
Was sind Facettengelenke überhaupt?
Stellen Sie sich Ihre Wirbelsäule wie eine Perlenkette vor. Jede „Perle“ – also jeder Wirbel – ist mit der nächsten durch drei Verbindungen verknüpft:
- Vorne: Die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern
- Hinten rechts: Ein kleines Gelenk
- Hinten links: Noch ein kleines Gelenk
Diese beiden hinteren Gelenke sind die Facettengelenke (medizinisch: Zygapophysealgelenke oder Wirbelgelenke).[^6]
Warum sie so wichtig sind
Facettengelenke sind echte Gelenke – mit Knorpel, Gelenkflüssigkeit und Gelenkkapsel, genau wie Ihr Knie oder Ihre Hüfte.[^7] Ihre Aufgabe:
✓ Sie führen Bewegungen (Vor- und Rückneigung)
✓ Sie begrenzen Rotation (Drehbewegungen)
✓ Sie stabilisieren die Wirbelsäule
✓ Sie verhindern, dass Wirbel übereinander rutschen
Die Ausrichtung macht den Unterschied:[^8]
- Halswirbelsäule: Fast horizontal → viel Rotation möglich
- Brustwirbelsäule: Frontal → stabilisierend
- Lendenwirbelsäule: Senkrecht → Vor-/Rückbeugung gut, Rotation schlecht
Das erklärt, warum Sie sich im Nacken problemlos umschauen können, aber eine Rumpfdrehung in der Lendenwirbelsäule die Gelenke überlastet.
Die Anatomie des Schmerzes
[INFOGRAFIK-KONZEPT: „Der Drei-Gelenk-Komplex“]
Visuelle Darstellung eines Bewegungssegments mit:
- Bandscheibe vorne (blau = Stoßdämpfer)
- Zwei Facettengelenke hinten (grün = Führungsschienen)
- Nervenaustritte seitlich
- Pfeile zeigen Bewegungsrichtungen
- Beschriftung der medialen Äste (gelb = Schmerzleiter)
Jedes Facettengelenk wird von zwei winzigen Nerven versorgt – den medialen Ästen (Rami mediales).[^9] Sie leiten Schmerzsignale zum Gehirn.
Das Innervationsmuster in der Lendenwirbelsäule:[^10]
- Das Gelenk L4/L5 wird versorgt von: Nerv L3 + Nerv L4
- Das Gelenk L5/S1 ist die Ausnahme: Nerv L4 + dorsaler Ast L5
Warum ist das wichtig? Weil moderne Schmerztherapien genau diese Nerven ausschalten können – aber nur, wenn man weiß, wo sie verlaufen.
Wie Verschleiß zu Schmerz wird
Facettengelenksarthrose ist die häufigste Ursache.[^11] Aber der Weg vom ersten Knorpelschaden zum chronischen Schmerz ist komplex.
Der degenerative Teufelskreis
Lange dachte man: Erst verschleißt die Bandscheibe, dann folgen die Facettengelenke. Heute wissen wir: Es ist komplizierter.[^12][^13]
Bandscheibe und Facettengelenke beeinflussen sich gegenseitig:
- Bandscheibe verliert Höhe → Facettengelenke tragen mehr Last
- Facettengelenke werden arthrotisch → Segment wird instabil
- Instabilität schädigt Bandscheibe weiter
- Entzündung in einem Gelenk greift auf andere über
Eine MRT-Studie zeigte eindeutig:[^14] Facettengelenksarthrose trat nie ohne Bandscheibendegeneration auf. Die schwersten Veränderungen fanden sich bei fortgeschrittener Bandscheibendegeneration.
Entzündung heizt an
Arthrose ist nicht nur mechanischer Abrieb. In degenerierten Facettengelenken sind entzündliche Botenstoffe erhöht:[^15]
- Interleukin-1β
- TNF-α (Tumornekrosefaktor-alpha)
- Interleukin-6
Diese Zytokine sensibilisieren Schmerzrezeptoren. Das Nervensystem wird überempfindlich – selbst normale Bewegungen tun plötzlich weh.
Was noch passiert
Strukturelle Veränderungen bei Facettengelenksarthrose:[^5][^11]
✗ Gelenkspalt wird enger (Knorpel dünner)
✗ Knochensporne (Osteophyten) wachsen
✗ Knochen unter dem Knorpel verhärtet (Sklerose)
✗ Gelenkkapsel verkalkt
✗ Gelbe Band verdickt (Ligamentum flavum)
✗ Synovialzysten können entstehen und Nerven bedrängen
Das diagnostische Dilemma
Hier wird es knifflig. Ihr MRT zeigt vielleicht ausgeprägte Arthrose – aber bedeutet das automatisch Schmerz?
Die Wahrheit über Bildgebung
Eine bahnbrechende Studie untersuchte schmerzfreie Freiwillige mit MRT.[^16] Ergebnis: Degenerative Facettengelenksveränderungen waren genauso häufig wie bei Schmerzpatienten!
Was die Bildgebung kann – und was nicht:
✓ Röntgen:
Zeigt grobe Arthrose-Zeichen. Gut für Screening, aber ungenau bei leichter Degeneration.[^17]
✓ Computertomographie (CT):
Beste Darstellung der Knochen. Präzise Graduierung der Arthrose möglich.[^17]
✓ MRT:
Zeigt Knorpel, Entzündung (Knochenmarködem), Zysten, Ergüsse. Korreliert zu 94% mit CT.[^14]
Aber: Unterschätzt manchmal die Schwere im Vergleich zu CT.
✓ SPECT / PET-CT:
Zeigen erhöhte Stoffwechselaktivität. Können schmerzhaften von schmerzfreien Gelenken unterscheiden – vielleicht.[^18]
✗ Das Problem:
Kein Bildverfahren beweist, dass ein Gelenk wirklich Schmerzen verursacht.
Der Goldstandard: Nervenblockaden
Wenn Bildgebung nicht ausreicht, gibt es einen funktionellen Test: Diagnostische Medialastblockaden.[^19]
Das Prinzip:
- Unter Röntgendurchleuchtung werden feine Nadeln an die medialen Äste gelegt
- Ein Lokalanästhetikum (Betäubungsmittel) wird gespritzt
- Wenn der Schmerz deutlich nachlässt → Gelenk ist die Quelle
Aber Vorsicht: Ein einzelner positiver Test reicht nicht![^20][^21]
Die falsch-positive Rate liegt bei 27-63 Prozent![^20]
Gründe:
- Placebo-Effekt (Erwartungshaltung)
- Betäubungsmittel verteilt sich zu anderen Strukturen
- Systemische Aufnahme ins Blut
Deshalb die Regel: Mindestens zwei unabhängige Blockaden an verschiedenen Tagen mit unterschiedlichen Betäubungsmitteln.[^22] Nur bei doppelt positivem Ergebnis gilt die Diagnose als gesichert.
Eine doppelblinde Studie mit Schleudertrauma-Patienten zeigte:[^21]
- 29% echte Responder
- 60% Non-Responder
- 11% Placebo-Responder
Wie fühlt sich das an?
Facettengelenkschmerzen unterscheiden sich von Bandscheibenvorfällen.
Typisch für lumbale Facettengelenkschmerzen:[^23][^24]
✓ Lokalisation: Tief im unteren Rücken, neben der Wirbelsäule
✓ Qualität: Dumpf, bohrend, manchmal brennend
✓ Ausstrahlung: Gesäß, Hüfte, hinteren Oberschenkel – ABER selten unter das Knie
✓ Verstärkung: Rückbeugung, Drehen, langes Stehen, Aufstehen vom Stuhl
✓ Besserung: In Ruhe, beim Vorbeugen
✓ Morgensteifigkeit: Typisch! Nach 30 Minuten Bewegung besser
✓ Keine Neurologie: Kein Kribbeln, keine Taubheit, keine Lähmung
Zervikale Facettengelenkschmerzen (Nacken):[^25][^26]
✓ Einseitig im Nacken
✓ Ausstrahlung in Hinterkopf, Schulter, Schulterblatt
✓ Kopfschmerzen (besonders bei C2/C3-Gelenk)
✓ Nach Schleudertrauma: 29-60% der chronischen Nackenschmerzen sind facettogen[^27]
Wann müssen Sie sofort zum Arzt?
Red Flags – gehen Sie zeitnah zum Arzt bei:[^28]
🚨 Lähmungen in Beinen oder Armen
🚨 Taubheit im Genitalbereich
🚨 Blasen- oder Darmstörungen (NOTFALL!)
🚨 Fieber + Rückenschmerz
🚨 Unerklärlicher Gewichtsverlust
🚨 Schmerz nachts schlimmer (nicht lageabhängig)
🚨 Bekannter Tumor in der Vorgeschichte
🚨 Schmerz nach Sturz/Unfall
Wer ist besonders gefährdet?
Alter ist der Hauptfaktor
Je älter, desto höher das Risiko. Kadaverstudien zeigten:[^29]
- Unter 30 Jahre: >50% haben bereits erste Arthrose-Zeichen
- Über 60 Jahre: 100% zeigen Degenerationen
- Härteste Veränderungen: Segment L4/L5
Aber: Degeneration ≠ Schmerz!
Die tatsächliche Schmerzprävalenz ist altersabhängig unterschiedlich:[^30]
- Nackenschmerz: 33-42% in allen Altersgruppen (relativ konstant)
- Kreuzschmerz: Höchste Rate bei 41-60 Jahren (44%)
Anatomische Risikofaktoren
Facettengelenkstropismus = asymmetrische Gelenkwinkel rechts/links.[^31] Führt zu ungleicher Belastung und früherer Arthrose.
Übergangswirbel (z.B. der letzte Lendenwirbel ist teilweise mit dem Kreuzbein verwachsen).[^32] Bei 4-30% der Bevölkerung. Erhöht das Degenerationsrisiko.
Lebensstil und Beruf
✗ Schwere körperliche Arbeit vor dem 20. Lebensjahr[^2]
✗ Adipositas (Übergewicht belastet alle Gelenke)[^5]
✗ Rauchen (vermindert Durchblutung)
✗ Bewegungsmangel
✗ Fehlbelastungen (asymmetrische Sportarten wie Golf, Tennis – ohne gute Technik)
Psychosoziale Faktoren
Eine US-Studie zeigte:[^33] Feindseliges Arbeitsumfeld, hohe Arbeitsbelastung und geringer Handlungsspielraum erhöhen das Rückenschmerzrisiko – unabhängig von körperlichen Belastungen.
Die Behandlung: Was wirklich hilft
Konservative Therapie – der erste Schritt
1. Medikamente
✓ NSAR (Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen)
Wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Ideal bei der entzündlichen Komponente.
Aber: Nicht dauerhaft wegen Nebenwirkungen (Magen, Herz, Nieren).
✓ Paracetamol
Bei leichten Schmerzen. Weniger entzündungshemmend.
✗ Opioide
Nur in Ausnahmefällen! Abhängigkeitsrisiko hoch, Langzeitnutzen fraglich.
2. Bewegungstherapie
Der wichtigste Baustein![^34]
✓ Rumpfkräftigung (Core-Stabilität)
✓ Beweglichkeitsübungen
✓ Haltungsschulung
✓ Ausdauertraining
Rückenfreundliche Sportarten:
- Schwimmen (Rückenschwimmen)
- Radfahren (aufrechte Position)
- Walking / Nordic Walking
- Yoga, Pilates (mit Instruktion!)
Vermeiden:
- Sportarten mit abrupter Rotation
- Kontaktsport mit Sturzgefahr
- Extreme Rückbeugung (Hohlkreuz)
3. Physikalische Therapie
✓ Wärme/Kälte
✓ Manuelle Therapie
✓ Elektrotherapie
✓ Massage (als Ergänzung)
4. Gewichtsreduktion
Schon 5-10% Gewichtsverlust können spürbare Entlastung bringen.
Interventionelle Therapien – wenn Konservatives nicht reicht
Wenn nach 3-6 Monaten konservativer Therapie keine Besserung eintritt und diagnostische Blockaden positiv waren, kommen interventionelle Verfahren in Betracht.
Option 1: Intraartikuläre Facettengelenkinjektion
Lokalanästhetikum + Kortison direkt ins Gelenk.[^35]
Wirksamkeit: Mittel
Wirkdauer: 1-4 Wochen[^36]
Problem: Degenerierte Gelenke schwer zu treffen; Kortison kann austreten
Option 2: Therapeutische Medialastblockade
Lokalanästhetikum + Kortison an die medialen Äste.
Wirksamkeit: Mittel
Evidenz: In größeren Studien statistisch nicht besser als Placebo[^37], in vielen Fällen sehr wirksam
Option 3: Radiofrequenzablation (RFA)
Das Prinzip:[^38][^39]
Hochfrequenzströme erzeugen kontrollierte Hitze (60-80°C) an einer Nadelelektrode. Diese wird präzise an die medialen Äste platziert. Die Hitze zerstört die schmerzleitenden Nervenfasern – gezielt und reversibel.
Drei Varianten:[^40]
- Konventionelle (thermale) RFA
Kontinuierliche Hitze, 60-80°C, 60-90 Sekunden
→ Am besten validiert - Gepulste RFA
Kurze Impulse, nur 42°C
→ Schonender, aber weniger effektiv - Gekühlte RFA
Wassergekühlte Elektroden, größere Läsionen
→ Am effektivsten nach 6 Monaten[^40]
Die Evidenz:
Ein systematisches Review mit 11 randomisierten Studien:[^41]
- Alle zeigten signifikante Schmerzreduktion
- Wirksamkeit klinisch bedeutsam
Eine Langzeitstudie (medianes Follow-up 39 Monate):[^42]
- 58% hatten ≥50% Funktionsverbesserung
- 53% hatten ≥50% Schmerzreduktion
- 18% erreichten komplette Funktionswiederherstellung
- 9% waren völlig schmerzfrei
Eine Meta-Analyse 2024 verglich RFA mit Steroidinjektionen:[^43]
→ RFA deutlich überlegen bei Schmerz nach 3 und 6 Monaten
→ Bessere funktionelle Outcomes
Praktisches:
✓ Ambulant durchführbar
✓ Lokalanästhesie ausreichend
✓ Dauer: 15 Min bis 2 Stunden
✓ Wirkung nach 2-4 Wochen
✓ Hält 6-12+ Monate
✓ Wiederholbar bei Wiederkehr der Schmerzen
Komplikationen: Selten – vorübergehende Schmerzexazerbation, Taubheit, sehr selten Infektion
TABELLE: INTERVENTIONEN IM VERGLEICH
| Verfahren | Evidenz | Schmerz-reduktion | Wirk-dauer | Wieder-holbar |
|---|---|---|---|---|
| Facettengelenk-Injektion | Niedrig | Schwach | 1-4 Wochen | Ja |
| Therapeutische Medialast-Blockade | Niedrig | Schwach | 2-4 Wochen | Ja |
| Konventionelle RFA | Moderat-Hoch | Moderat-Stark | 6-12+ Monate | Ja |
| Gepulste RFA | Niedrig-Moderat | Schwach-Moderat | 3-6 Monate | Ja |
| Gekühlte RFA | Moderat | Stark | 6-12+ Monate | Ja |
Operation – nur in Ausnahmefällen
Chirurgie ist beim Facettengelenksyndrom selten indiziert. Ausnahmen:
✓ Synovialzystenentfernung
Wenn Zysten Nerven komprimieren[^44]
✓ Dekompression bei Spinalkanalstenose
Wenn hypertrophe Facettengelenke + verdicktes Band den Spinalkanal einengen[^45]
✓ Facettengelenksersatz (TOPS-System)
Bewegungserhaltende Alternative zur Versteifung. Noch relativ neu, aber vielversprechend.[^46]
Prävention und Selbstmanagement
Rückengerechtes Verhalten
Heben und Tragen:
- In die Hocke, nicht aus dem Rücken
- Last nah am Körper
- Keine Drehbewegungen unter Last
Sitzen:
- Häufig die Position wechseln
- Aufrechte Haltung mit Lordosenstütze
- Alle 30-45 Min aufstehen
Stehen:
- Dynamisch stehen, Gewicht verlagern
- Nicht stundenlang starr stehen
Bewegung als Medizin
Mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche (WHO-Empfehlung)
Plus: 2x/Woche Krafttraining
Stressmanagement
Chronischer Stress erhöht Muskelspannung und senkt die Schmerzschwelle. Hilfreich:
✓ Progressive Muskelrelaxation
✓ Achtsamkeitsmeditation
✓ Autogenes Training
Die Quintessenz
Was Sie wissen sollten:
- Bildgebung allein reicht nicht. MRT kann Arthrose zeigen, aber nicht beweisen, dass sie schmerzt. Diagnostische Nervenblockaden sind der Goldstandard.[^19][^20]
- Facettengelenke und Bandscheiben sind Partner. Beide beeinflussen sich gegenseitig. Behandlung sollte ganzheitlich sein.[^12][^14]
- Konservative Therapie zuerst. Bewegung, Physio, maßvolle Medikation – das sollte immer der erste Versuch sein.
- RFA ist evidenzbasiert wirksam. Wenn Konservatives versagt und die Diagnostik eindeutig ist, bietet Radiofrequenzablation substanzielle Schmerzlinderung.[^41][^42]
- Individuelle Therapie ist entscheidend. Nicht jede Intervention hilft jedem. Anatomie, Komorbiditäten und psychosoziale Faktoren spielen eine Rolle.
- Chronifizierung vermeiden. Je früher die richtige Diagnose und Behandlung, desto besser die Prognose.
🧪 Selbsttest: Könnte es das Facettengelenksyndrom sein?
Beantworten Sie folgende Fragen mit Ja oder Nein:
□ Haben Sie tiefsitzende Rückenschmerzen, meist neben der Wirbelsäule?
□ Verschlimmern sich die Schmerzen beim Zurücklehnen oder Drehen?
□ Sind die Schmerzen morgens am schlimmsten (Morgensteifigkeit)?
□ Bessern sich die Schmerzen beim Vorbeugen oder in Ruhe?
□ Strahlen die Schmerzen ins Gesäß oder Oberschenkel, aber NICHT unter das Knie?
□ Haben Sie KEINE Taubheit, kein Kribbeln, keine Lähmung?
□ Ist beim Aufstehen aus dem Stuhl ein stechender Schmerz?
□ Ist langes Stehen problematisch für Sie?
□ Sind Sie über 50 Jahre alt?
□ Hatten Sie bereits ein MRT mit „degenerativen Veränderungen“?
Auswertung:
7-10 Ja: Hohes Verdachtsmoment auf Facettengelenksyndrom. Eine präzise Diagnostik ist empfehlenswert.
4-6 Ja: Mögliches Facettengelenksyndrom. Andere Ursachen sollten auch in Betracht gezogen werden.
0-3 Ja: Eher unwahrscheinlich. Andere Schmerzursachen sind wahrscheinlicher.
💡 Ihr nächster Schritt
Wenn Sie unter chronischen Rückenschmerzen leiden und bisherige Behandlungen nicht geholfen haben, könnte das Facettengelenksyndrom die Ursache sein.
Eine präzise Diagnostik ist entscheidend.
Bildgebung spielt dabei eine wichtige – wenn auch nicht alleinige – Rolle. Als Facharzt für Radiologie und Neuroradiologie biete ich Ihnen:
✓ Hochauflösende MRT-Diagnostik der Wirbelsäule
✓ Präzise Beurteilung der Facettengelenke und Bandscheiben
✓ Detektion von Begleitpathologien (Zysten, Stenosen, Nervenkompression)
✓ Evidenzbasierte Einordnung im klinischen Kontext
Die Bildgebung ist ein Puzzleteil – zusammen mit Ihrer Krankengeschichte, der klinischen Untersuchung und gegebenenfalls diagnostischen Blockaden entsteht das Gesamtbild für eine zielgerichtete Therapie.
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📚 Quellenverzeichnis
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Über den Autor
Dieser Artikel wurde von einem Facharzt für Radiologie und Neuroradiologie mit europäischen Qualifikationen verfasst. Als Mitglied nationaler und internationaler Fachgesellschaften verbinde ich radiologische Expertise mit evidenzbasierter Medizin, um komplexe Gesundheitsthemen verständlich und wissenschaftlich fundiert darzustellen. Alle Aussagen basieren auf Primärquellen aus peer-reviewed Fachjournalen.
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