Facettengelenksyndrom

Inhaltsverzeichnis

Einordnung, Indikation und Facetteninfiltration

Kurzfassung: Abnutzungs-/Reizzustände der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) können tiefe lumbale oder zervikale Rückenschmerzen verursachen – häufig verwechselt mit Bandscheibenvorfällen oder Beschwerden des Iliosakralgelenks (ISG). Diese Seite erläutert wann eine Facetteninfiltration sinnvoll ist, wie sie abläuft und welche Schritte davor zweckmäßig und notwendigsind.


Für wen diese Sprechstunde geeignet ist

  • Tiefer Kreuzschmerz beid- oder einseitig, oft als dumpf/stechend beschrieben.
  • Tiefer Nackenschmerz, häufig einseitig betont, dumpf/stechend
  • Verstärkung bei Hohlkreuz/Überstreckung (z. B. längeres Stehen, bergauf gehen, Rückneigen des Oberkörper oder des Kopfes).
  • Besserung beim Vorbeugen/Sitzen (typischer, nicht zwingender Befund).
  • Vorbehandlung erfolgt, aber unklare Diagnose oder unzureichende Besserung durch konservative Maßnahmen.

Typisches Beschwerdebild – Abgrenzung zu Bandscheibe & ISG

  • Facette: lokaler Kreuzschmerz, Verstärkung bei Streckung/Rotation, morgendliche Anlaufschmerzen, Druckschmerz paravertebral (neben der Wirbelsäule).
  • Bandscheibe (radikulär): eher Beinschmerz bis unterhalb des Knies oder Ellenbogens, Taubheit/Kribbeln, ggf. mit Kraftminderung. 
  • ISG: tiefer, eher gesäßnaher Schmerz, verstärkt beim Aufstehen/Gehen, keine Ausstrahlung unterhalb Knie.

Kurze, sichere Selbsttests

Diese Tests können helfen, die Ursache etwas genauer einzugrenzen. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Untersuchung und Beratung.

  • Extensionstest: sanftes Rückneigen im Stand → Zunahme des Schmerzes spricht für das Facettengelenk als Auslöser.
  • Rotation/Extension kombiniert: leichte Dreh-Rückneigebewegung → lokaler Schmerz, ggf. mit Ausstrahlung in die nähere Umgebung.
  • Druckschmerzhaftigkeit neben den Dornfortsätzen der Wirbelsäule → wiederholbarer, lokaler Druckschmerz.
    Diese Manöver ersetzen keine eingehende Untersuchung; sie liefern nur Anhaltspunkte.

Was sinnvoll ist, bevor über eine Infiltration nachgedacht wird

  • Dosierte Eigenmaßnahmen (1–2 Wochen): Wärme/Kälte nach Verträglichkeit, moderates Gehen, Hohlkreuz und Überstreckung vermeiden, Alltag schmerzadaptiert bewältigen. Von einer völligen Schonung ist dringend abzuraten!
  • Kurzzeitig Schmerzmittel in Eigenverantwortung (grundsätzlich ärztlich rückkoppeln), Ziel = Funktionsgewinn.
  • Gezielte Physiotherapie: Krampfhafte Verspannungen lösen, Stabilisation (Rumpf/Hüfte), Mobilisation ohne Schmerzprovokation, schrittweiser Belastungsaufbau. 
  • Bildgebung: Ein MRT hat in den meisten Fällen keine unmittelbaren Konsequenzen auf die Behandlung. Ultraschall unterstützt die Interventionsplanung und zeigt anders als das MRT auch funktionelle Beeinträchtigungen; bei unklaren Beschwerden prüfen wir alternative Schmerzursachen (z. B. ISG, Trochanterschmerz).

Indikation zur Facetteninfiltration (Ultraschall-geführt)

Eine Infiltration ist zu erwägen, wenn

  1. das Beschwerdebild passend zu Facettenschmerz ist,
  2. konservative Maßnahmen unzureichend wirken,
  3. Alltag/Funktion merklich oder fortgesetzt eingeschränkt sind und
  4. keine anderweitigen Warnsignale (red flags) vorliegen.

Ziel: Schmerzsenkung und Belastbarkeit verbessern, um Training/Alltag wieder planbar zu machen und eine Brücke für die Stabilisierung der Wirbelsäule zu bieten. Die Infiltration ist keine ursächliche Behandlung, sondern eine begleitende Unterstützung. 


Ablauf der Facetteninfiltration (in unserer Praxis)

  1. Ersttermin/Diagnostik: Eingehende Anamnese und ausführliche körperliche Untersuchung, Ultraschall zur Lokalisation; Entscheidung für oder gegen Infiltration.
  2. Durchführung (steril, Ultraschall-geführt): Feine Nadel bis in oder an das betroffene Facettengelenk; Injektion eines Lokalanästhetikums und – je nach Indikation – eines Kortikoids.
  3. Beobachtung: kurzer Verbleib, Anleitung für 48–72 Stunden (Belastung, Kühlung/Wärme, Warnzeichen).
  4. Dokumentation: Befund/Verlaufsplan; Arztbrief binnen 24 Stunden an Zuweiser (auf Wunsch).

Warum wir in Serien (3-5 Sitzungen) planen

Facettenschmerz folgt oft einem reizmechanischen Muster. Eine Serie von 3-5 Sitzungen im Abstand weniger Wochen hilft,

  • den Soforteffekt (Lokalanästhetikum) und den therapeutischen Effekt (Kortikoid + Funktionsaufbau) zu nutzen,
  • Rückfallmuster durch dosierten Belastungsaufbau zu reduzieren,
  • den Übergang in die eigenständige Stabilisation zu festigen.
    Die Beurteilung bleibt immer klinisch und individuell; der Erfolg kann nicht garantiert werden.

Risiken und Nebenwirkungen (Auszug, nüchtern)

  • Häufiger/üblich: vorübergehende Druckschmerzverstärkung, kleine Hämatome, kurzzeitige Missempfindungen.
  • Selten: Infektion, relevante Blutung, anhaltende Irritation von Nervenstrukturen, allergische Reaktion.
  • Kortikoid-spezifisch:  Insbesondere bei nicht vorgeschädigten Gelenken ist eine mögliche Gelenkschädigende Wirkung von Kortisonpräparaten durch vielfache Injektionen zu berücksichtigen. Wir besprechen Nutzen und Risiken individuell; eine schriftliche Einwilligung ist Voraussetzung.

Nach der Infiltration: Verhaltensempfehlungen

  • 48–72 Stunden dosiert belasten, nicht voll schonen; kurze Spaziergänge und leichte Bewegung sind günstig.
  • Kühlen oder wärmen nach Verträglichkeit; Überstreckung und kräftige Drehbewegungen zunächst meiden.
  • Rückmeldung bei Warnzeichen (Fieber, starke Rötung/Überwärmung, progrediente neurologische Beschwerden oder Ausfallerscheinungen).

Preise & GOÄ-Hinweise (Transparenz)

Abrechnung nach GOÄ. Die Gesamtkosten hängen von Aufwand/Medikation ab und werden vorab mitgeteilt. Richtwerte (Selbstzahler/PKV, ohne Gewähr):

  • Ersttermin inkl. Ultraschall/Planung: ca. 250 €
  • Facetteninfiltration (Ultraschall-geführt): ca. 350 € je Sitzung

Hinweis: Eine garantierte PKV-Erstattung kann nicht zugesagt werden; die medizinische Begründung dokumentieren wir vollständig.



Für Zuweiserinnen und Zuweiser

  • Indikation: klinischer Verdacht auf Facettenschmerz, unzureichender konservativer Effekt, relevante Funktions-/Alltagseinschränkung.
  • Leistung: US-geführte Infiltration (seriell nach Indikation), Funktions-/Belastungsplan, Arztbrief binnen 24 Stunden mit Befund, Medikation, nächsten Schritten.
  • Kontakt: Direkte Durchwahl/verschlüsselte E-Mail. Dringende Behandlungen können in der Regel kurzfristig eingeschoben werden.

Häufige Fragen (Auszug)

Brauche ich vorher ein MRT?
Nur bei klarer Indikation (Red Flags, untypischer Verlauf). Entscheidung im Ersttermin gemeinsam.

Wie schnell tritt Wirkung ein?
Lokalanästhetikum kurzfristig, Kortikoid verzögert (Tage). Verlauf wird über 2–3 Sitzungen beurteilt.

Was, wenn die Infiltration nicht hilft?
Dann passen wir das Vorgehen an (z. B. Diagnostikpfad, alternative Schmerzquellen, konservative Optionen). Kein Verfahren wirkt in jedem Fall.

Wie lange dauert ein Termin?
In der Regel 30–40 Minuten inkl. Aufklärung und Nachbeobachtung.


Rechtliche Hinweise

Diese Informationen ersetzen keine persönliche Untersuchung/Behandlung. Bei Alarmzeichen wenden Sie sich bitte umgehend an eine Ärztin/einen Arzt bzw. den Notdienst.

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